Am Donnerstag, den 21. April, erschien folgender Beitrag im Liechtensteiner Volksblatt
Qualitätssicherung vom Kindergarten bis zum Schulamt
Die meisten Organisationen, Gewerbebetriebe und auch
Industrieunternehmen funktionieren nach festgelegten Strukturen. Die Effizienz
und Produktivität sämtlicher Abteilungen – von der kleinsten bis zur grössten
sind gleichermassen am Erfolg der Firma beteiligt und die Mitarbeitenden in
allen Hirarchieebenen werden in persönlichen, regelmässig stattfindenden
Gesprächen nach ihrem Engagement und ihren Leistungen beurteilt. Selbst die
Geschäftsführer bzw. die Geschäftsleitungs-mitglieder müssen sich nach ihren
Erfolgen und Misserfolgen messen lassen und werden mitunter, wenn sie die ihnen
anvertrauten Aufgaben nicht zur Zufriedenheit ausfüllen können, auch entlassen.
Nur so kann auf Dauer ein wirtschaftlich geführtes Unternehmen erfolgreich
agieren und dem in allen Branchen bestehenden Konkurrenzkampf standhalten.
Wie erfolgreich könnte demnach auch ein Bildungssystem sein,
würde man es nach den gleichen Kriterien strukturieren?
Für den Erfolg verantwortlich wären dann klar festgelegte
Parameter für alle am staatlichen Bildungssystem beteiligten Einrichtungen, angefangen von den
Kindergärten, Primarschulen, Oberschulen, Realschulen und Gymnasien bis
hin zu sämtlichen berufsbildenden
Einrichtungen. Man stelle sich vor, all diese Schulstätten wären bereit, sich
von wirklich unabhängigen und externen Inspektoren evaluieren zu lassen und
auch die „Chefetage“ – sprich das Schulamt käme dabei unter die Lupe und würde
nach seinen Erfolgen und Misserfolgen gemessen. Dann wäre das Ergebnis ein gerechtes
und zeitgemässes Schul- und Bildungssystem, das zum Erfolg führen würde, da die
Qualität der Bildungseinrichtungen endlich im Vordergrund stünde.
Am Dienstag, den 19. April, erschien folgender Beitrag im
Liechtensteiner Vaterland
Bildung, Kosten und Sparen
Sparen ist heutzutage „in“. Nach der
Finanzkrise und dem Anhäufen enormer Staatsdefizite müssen viele Länder vermehrt
auf den sinnvollen Umgang mit ihren verfügbaren Finanzmitteln achten.
Schliesslich stehen die Regierungen in der Verantwortung, die Staatsausgaben
gegenüber den Steuerzahlern zu rechtfertigen und Investitionen deshalb
sorgfältig zu überprüfen.
Eine bedeutende Ausgabenposition in
Europa ist der Bildungsbereich. Dieser kostet viel Geld, und es ist daher
wichtig sich klar zu werden, welche Massnahmen Sinn machen und effizient sind,
und welche weniger.
Das GEO-Magazin 02/2011 bringt es
auf den Punkt: „Die Bildungschancen unserer Kinder und Jugendlichen nicht von
der nächsten Schulreformab. Nicht von der Klassenstärke, nicht von der
Ausstattung des Chemielabors, nicht vom gestrichenen 13. Schuljahr abhängen.
Was wirklich zählt, sind die Menschen, die vor der Tafel stehen. Warum reden
wir viel zu wenig darüber, wie entscheidend jeder Lehrer ist? Und dass dieser
Beruf die Besten der Besten anlocken sollte?“.
Untersuchungen über die Effizienz
und Wirtschaftlichkeit in verschiedenen Bildungssystemen belegen eindrücklich,
dass die Forderung nach mehr Geld, kleineren Klassen oder längerem gemeinsamen
Lernen für die Leistungen der SchülerInnen weitgehend irrelevant sind.
Entscheidend sind vielmehr das Ansehen und die
Fähigkeiten der Lehrkräfte. Würden wir den Lehrberuf gesellschaftlich aufwerten
und den Lehrpersonen wieder mehr Autonomie und Eigenverantwortung in der
Unterrichtsgestaltung übertragen, dann wären auch die besten Schulabgänger
eines Jahrganges wieder bereit, diesen Beruf zu ergreifen. Ohne zusätzliche Kosten
und mit geringem Aufwand liesse sich so das Bildungssystem optimieren und
gleichzeitig der Staatshaushalt entlasten.
Am Samstag, den 16. April, erschien folgender Beitrag in beiden Tageszeitungen des Landes
Berufswahl und Vorbereitung
Es ist ein zentrales Ziel unserer Gesellschaft, allen Kindern und Jugendlichen eine ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechende Schul- bzw. Berufsausbildung zu ermöglichen. Ein wichtiger Punkt dabei besteht darin, für einen möglichst reibungslosen Übergang in die Berufsausbildung oder andere weiterführenden Schulen zu sorgen. Regelmässige Gespräche zwischen Schulen und berufsbildenden Institutionen, Universitäten oder Lehrbetrieben finden zwar heute schon statt. Um den Berufswahlprozess zu optimieren, müssten die Ausbildungsstätten und Betriebe jedoch noch stärker bereits in Teile des Schulunterrichtes mit einbezogen werden.
Dies ist deshalb so wichtig, da in den vergangenen Jahren die Anforderungen in allen Berufen enorm gestiegen sind und deshalb Lehrlinge und Lehrmeister in Zukunft noch besser aufeinander vorbereitet werden müssen.
Jugendliche, die sich für einen bestimmten Beruf interessieren, brauchen unbedingt verschiedene Möglichkeiten, diesen intensiv kennenlernen zu können. Ein fachspezifisches Wissen liesse sich sowohl in Projektwochen als auch z.B. in Form von Wahlstunden als Teil des Unterrichts übermitteln und gäbe auch den auszubildenden Betrieben die Möglichkeit, die jeweiligen Voraussetzungen für einen Beruf besser und genauer zu klären.
Elternhaus und Schule sollten den Kinder und Jugendlichen ebenfalls schon früh vermitteln, dass die sogenannte soziale Kompetenz, d.h. gute Umgangsformen, Hilfsbereitschaft und das Vorhandensein zusätzlicher Qualifikationen wie z.B. Computerführerschein oder Sprachausweise weitere, nicht zu unterschätzende Vorteile bei der Bewerbung zu einer Ausbildung sind.
Je genauer ein Jugendlicher all die Parameter kennt, die für seinen „Traumberuf“ erforderlich sind, desto besser kann er sich dafür bzw. dagegen entscheiden. Die so gewonnene Sicherheit wird dazu beitragen, dass junge Menschen aus allen Schultypen den für sie richtigen Beruf finden und in dieser Ausbildung dann auch ihr Bestes geben können.
Am Donnerstag, den 14. April, erschien folgender Beitrag im
Liechtensteiner Volksblatt
Das Geheimnis einer erfolgreichen Schule
Was macht eine gute Schule aus? Sind es die verwendeten Lehrmittel, oder das zur Verfügung stehende Budget, oder die Klassengrösse oder gar das Schulsystem?
In Schweden wollte man dieser Frage auf den Grund gehen und wagte ein Experiment. Dazu wurde eine der „schlechtesten“ Klassen des Landes ausgewählt, mit Schülern, die sich schon längst selbst aufgegeben hatten, ohne jede Perspektive, sozusagen „hoffnungslose Fälle“. Diese Klasse aus Malmö sollte für nur fünf Monate von den besten Lehrern unterrichtet werden, die man extra dafür aus ganz Schweden zusammenzog. Jeder einzelne ein herausragender Didakt, dessen Schützlinge bei Prüfungen regelmässig die besten Ergebnisse lieferten.
Das Experiment begann – und schien in einem Desaster zu enden. Zu stark war die negative Einstellung der Schüler aus Malmö, zu gross ihre Überzeugung, dass sie es nie schaffen würden, zu dumm seien, den Zug endgültig verpasst hatten. Statt Aufbruchs- machte sich Krisenstimmung breit.
Doch die Lehrer wollten nicht aufgeben. Tag um Tag rangen sie um die Herzen ihrer Schützlinge, zeigten ihr unerschütterliches Vertrauen in deren Können und Zukunft. Und tatsächlich – das Blatt begann sich zu wenden. Die Schüler fingen an zu verstehen, entwickelten mehr und mehr Freude am Unterricht, am Lernen. Sie nahmen ihre verloren geglaubte Chance in die eigenen Hände und legten los, was das Zeug hielt. Am Ende des Experiments wurde ihr erlernter Wissenstand und ihre Fähigkeiten in einem landesweiten Vergleichstest ermittelt. Als die Klasse aus Malmö das Ergebnis erfuhr, konnten sie es kaum glauben – sie waren die besten! Von ganz unten nach ganz oben in gerade mal fünf Monaten.
Das ist die Antwort auf die Frage, was eine gute Schule ausmacht: es sind die Lehrer, ihr Talent um Schüler zu begeistern, ihre didaktischen Fähigkeiten, ihre unerschütterlich positive und offene Einstellung gegenüber Beruf und Schützlingen.
Darum brauchen wir in Liechtenstein auch keine weiteren teuren und nutzlosen Reformpläne für unser Bildungssystem. Sondern einfach nur die besten Lehrkräfte, die es für unsere Kinder gibt. Auf dieses Ziel müssen wir uns konzentrieren. Auf nichts anderes.
Am Dienstag, den 12. April, erschien folgender Beitrag im Liechtensteiner Vaterland
Verantwortung lehren und schenken
Jede Schülerin, jeder Schüler ist für ihren/seinen eigenen schulischen Werdegang verantwortlich. Unabhängig von den ererbten Talenten und individuellen Fähigkeiten, vom unmittelbaren Umfeld oder vom Grad der Unterstützung von aussen. Genau so wie wir Erwachsenen über unseren Einsatz und unser Verhalten im Beruf bestimmen, entscheidet letztlich jedes Kind selbst, ob es im Unterricht mitarbeiten will oder nicht.
Diese Erkenntnis müssen wir unseren Kindern glaubhaft begreiflich machen. Sie müssen erfahren und verstehen, dass ihre Schulkarriere nicht fremdbestimmt wird, sondern in erster Linie von ihrem eigenen Engagement abhängt.
Dazu gehört aber auch, dass wir ihnen mit zunehmendem Alter mehr Verantwortung übertragen, denn sonst verkommen unsere Belehrungen zur leeren Floskel. Ober- und Realschüler müssen sich mit 15, 16 Jahren für eine Berufsausbildung entscheiden. 18jährige Lehrlinge und Gymnasiasten erhalten alle politischen Rechte, dürfen abstimmen und sich sogar in den Landtag wählen lassen. Aber schenken wir diesen Jugendlichen in der Schule oder Lehre auch das Vertrauen, das sie verdient haben? Hören wir auf ihre Anregungen, setzen wir uns offen mit ihren Lösungsideen auseinander oder trauen wir uns, ihr Feedback zur Gestaltung des Unterrichts bzw. der Vorgehensweise der Lehrpersonen und Lehrmeister einzufordern und ernst zu nehmen?
In einem Vertrag müssen Rechte und Pflichten ausgewogen sein. Genau so ist es mit Respekt und Verantwortung: wir müssen sie nicht nur von unseren Kindern einfordern, sondern ihnen auch schenken.